
PsychoLab: Der Traum von Frankenstein
Die Stadt war stiller als sonst. Der Oktober hatte den letzten kalten Atem in die Straßen der kleinen Gemeinde gebracht, und in den Köpfen der Bewohner schien die Dunkelheit der Nächte tiefer und schwerer zu lasten. Doch hinter den Fassaden der alten Häuser, dort, wo die geheimnisvollen Träume seit Wochen wuchsen und sich zu etwas Größerem formten, lag eine unheimliche Erwartung in der Luft. Es war der letzte Freitag im Oktober – Frankenstein-Freitag – ein Tag, der in der Stadt eine besondere Bedeutung trug. Ein Tag, an dem sich die Linien zwischen Fiktion und Realität, Traum und Wachsein noch weiter verwischten.
Dr. Eva Stein saß an ihrem Schreibtisch im PsychoLab, ihre Finger trommelten nervös auf den kühlen Metalltisch. Auf ihrem Monitor flimmerten die Aufzeichnungen der jüngsten Träumer – jener mutigen Freiwilligen, die sich in die Dunkelheit der Albträume gewagt hatten, um Antworten zu finden. Seit den letzten Experimenten war die Stimmung im Team noch angespannter. Die Träume, die sie untersucht hatten, waren nicht nur intensiver, sondern auch verstörend spezifisch geworden. Immer mehr Einwohner träumten von derselben Gestalt: einer Kreatur, zusammengesetzt aus Körperteilen, maschinenhaft und menschlich zugleich. Und dann war da die Stimme – tief und mechanisch, immer wieder dieselben Worte flüsternd: „Erwachen.“
Es war, als würde etwas oder jemand diese Träume steuern. Dr. Stein fühlte, dass sie kurz davor waren, etwas Monumentales zu entdecken – oder zu entfesseln.
Frankenstein-Freitag – ursprünglich eine Feier zu Ehren des berühmten Monsters und seines Schöpfers – schien in diesem Jahr eine noch unheimlichere Bedeutung zu haben. „Wir müssen vorsichtig sein,“ sagte Dr. Stein leise zu ihrem Team, als sie sich an diesem Morgen im PsychoLab versammelten. „Es ist kein Zufall, dass die Träume sich gerade jetzt so dramatisch zuspitzen. Etwas erwacht in uns – oder in dieser Stadt.“
Die Verbindung zu Frankensteins Monster lag in der Luft. Wie Dr. Frankenstein im Roman, so schien es auch hier eine unsichtbare Macht zu geben, die die Träume der Menschen zu formen und zu manipulieren schien. Es war kein Zufall, dass gerade heute, am Frankenstein-Freitag, die Träume eine neue Intensität erreicht hatten. Wie Frankensteins Kreatur – eine Zusammenstellung aus Einzelteilen, die durch Wissenschaft zum Leben erweckt wurde – waren auch die Träume der Stadtbewohner Fragmente, die sich zu etwas Größerem zusammenschlossen.
„Unsere neuesten Probanden haben von Begegnungen berichtet, die jenseits der bisherigen Träume liegen,“ sagte Clara Winter, die Traumforscherin, die seit den letzten Experimenten selbst zunehmend nervöser geworden war. „Eine Kreatur erscheint immer wieder. Sie ist riesig, mechanisch, aber es ist, als ob sie aus den Gedanken der Träumer selbst zusammengesetzt wäre. Sie flüstert... und beobachtet.“
Das Team im PsychoLab wusste, dass sie handeln mussten. Frankenstein-Freitag war nicht nur ein Zufall in ihrem Kalender – es war ein Hinweis, eine Warnung. Diese Kreatur, die in den Träumen auftauchte, war wie eine moderne Version von Frankensteins Monster, geboren aus den tiefsten Ängsten und unerforschten Ecken des menschlichen Geistes. Doch anders als im Roman schien es keinen Schöpfer zu geben, der die Kontrolle über diese Kreatur hatte. Sie war das Produkt von etwas Unbekanntem, das sich tief in den Albträumen der Stadt eingenistet hatte.
An diesem Abend entschloss sich Dr. Stein zu einem drastischen Schritt. Sie und das PsychoLab-Team würden sich selbst in die Träume wagen. Zum ersten Mal würden sie die Träumenden nicht nur beobachten, sondern selbst zu Teilnehmern werden – mit einem speziellen Anzug, der ihre Hirnaktivität direkt mit dem Träumen synchronisieren sollte. Sie würden sich in das Unbewusste stürzen, in die Albträume, die sich über die Stadt gelegt hatten, um der Kreatur direkt zu begegnen und die Wahrheit zu enthüllen.
Die Stadt bereitete sich indes auf den Frankenstein-Freitag vor. Während die Einwohner mit Festen und Partys an das Monster und seinen Schöpfer erinnerten, bereitete sich das PsychoLab-Team auf eine weit gefährlichere Reise vor. Sie würden sich dem Monster in den Träumen stellen – nicht einer Kreatur aus Fleisch und Blut, sondern einer, die aus den Schatten des kollektiven Unbewussten geboren war.
Als die Uhr Mitternacht schlug, lagen die ersten Freiwilligen bereit. Dr. Stein war die Letzte, die sich an die Elektroden anschloss, ihre Finger zitterten leicht, als sie das letzte Kabel befestigte. „Das hier ist unser Frankenstein-Moment,“ flüsterte sie, „und wir sind sowohl die Schöpfer als auch die Schöpfung.“
Die Lichter im Labor flackerten, und eine tiefe Stille legte sich über den Raum. Dann, mit einem leisen Klicken, aktivierte sich der Traumanzug. Dr. Stein schloss die Augen – und fiel.
Fiel in die Dunkelheit.
Bis zur nächsten Enthüllung
Bleiben Sie dabei, wenn wir in unserem nächsten Blog-Eintrag berichten, was das PsychoLab-Team in den Träumen gefunden hat – und welche Verbindung das Erwachen der Kreatur zu dem Frankenstein-Freitag hat.